30 Jan 2013

Tiefenökologie – eine praktische Philosophie

ORF-FOTO_Brüser_klein Pressetext von Christian Brüser für das Ö1 Radiokolleg
vom 25. bis 28. März 2013 jeweils 9:30 bis 9:45

Tiefenökologie ist eine praxisorientierte Philosophie, die Menschen dazu bringt, „mit dem Herzen zu denken“. Sie basiert auf Erkenntnissen der Systemtheorie, der Umwelt- und der Hirnforschung. Durch Übungen lernt man, sich selbst als Teil des Systems Erde wahrzunehmen und besser mit anderen Menschen in Verbindung zu treten.

Der Begriff „Tiefenökologie“ stammt vom norwegischen Philosophen und Bergsteiger Arne Naess (1912–2009). Im Gegensatz zur „flachen“ Ökologie, die z.B. mit Hilfe von Kläranlagen oder Schadstofffiltern die Lebensbedingungen der Menschen verbessern will, verfolgt die Tiefenökologie einen umfassenderen Ansatz. Sie wendet sich den Ursachen der Naturzerstörung zu und erforscht, welche Aufgabe der Mensch im System Erde haben könnte.

Die Systemtheoretikerin und Buddhismusforscherin Joanna Macy (geb. 1929) hat die praktischen Übungen der Tiefenökologie weiterentwickelt. Sie hält es für unvermeidlich, auf die fortschreitende Zerstörung der Welt mit Angst oder Schuldgefühlen zu reagieren. Diese Gefühle werden oft verdrängt, was zu Starre und Handlungsunfähigkeit führt.

Erst wenn man mit diesen Gefühlen wieder in Kontakt tritt, so der österreichische Umweltpädagoge Andreas Schelakovsky, kann tiefgehendes Engagement für die Welt entstehen. „Haben Menschen ihre Lage erkannt und ihre emotionale Reaktion auf den Zustand der Welt erforscht, erwächst zumeist der Wunsch nach engagiertem Handeln – nicht aufgrund moralischer Ermahnung, sondern aus einem inneren Wissen um Verbundenheit.“

Hier gehts zur Sendung auf Ö1.

 

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